Du hast schon Supersätze, Drop-Sets und High-Volume probiert und trotzdem bleibt das Muskelwachstum aus? Dann ist möglicherweise exzentrisches Training genau der "Geheimtrick", den du brauchst. Statt nur die Wiederholung nach oben zu drücken, kontrollieren wir das Absenken über 4–6 Sekunden. Diese Spannung in der negativen Phase setzt dabei einen Mechanismus in Gang, der deine Muskeln zum Wachsen zwingt. In diesem Artikel zeige ich dir genau, warum diese Art von Training so effektiv ist und wie du es in deinen Plan integrieren kannst.
Bevor wir beginnen, möchte ich mich noch kurz vorstellen: Mein Name ist Marco Laterza, ich bin Personal Trainer aus Zürich. Ich biete meinen Kunden Unterstützung im Bereich Sport, Ernährung und Mindset. Ein holistischer Zugang zu Gesundheit und Fitness ist für mich wichtig, dieses Konzept möchte ich auch jedem weitergeben. Wenn Du an einer Zusammenarbeit interessiert bist, kannst Du mich jederzeit kontaktieren.
Was macht exzentrisches Training so effektiv?
Bei klassischen Wiederholungen konzentrierst du dich meist auf den konzentrischen Teil, also das Hochdrücken. Aber wusstest du, dass deine Muskeln beim Absenken, also dem exzentrischen Teil der Übung, bis zu 30 % mehr Kraft haben? Dieses Mehr an mechanischer Spannung führt zu:
-
Tieferen Mikrotraumata, die den anabolen Reparaturprozess maximieren.
-
Verstärkter Fast-Twitch-Aktivierung, weil dein Körper im exzentrischen Modus mehr High-Threshold-Motorunits rekrutiert.
-
Besseren Dehnungsreflexen, die deine passive Spannungsreserve ausweiten und so langfristig deine Kraftkurve verschieben.
Klingt alles vielleicht sehr kompliziert, aber einfach gesagt schaffst du damit einen Reiz, den du beim klassischen Training nicht immer erreichst. Und das, ohne sofort dein Nervensystem wie bei Trainieren mit Maximalgewicht zu überlasten.
So implementierst du exzentrisches Training
Wie genau kannst du jetzt diese Technik nutzen, um daraus Vorteile für dich zu ziehen? Das Ganze ist ganz einfach:
-
Temposatz festlegen: Wähle bei Übungen wie Kniebeugen, Bankdrücken oder Klimmzügen ein Exzentrik-Tempo von 4–6 Sekunden, während die konzentrische Phase explosiv, also kurz und schnell, bleibt.
-
Widerstand anpassen: Arbeite mit 60–75 % deines 1 RM. Das heisst, wenn du beim Bankdrücken 100kg mit einer Wiederholung schaffst, dann solltest du für exzentrisches Training mit einem Gewicht von 60 bis 75kg arbeiten. Und nein, für diese Methode musst du nicht immer dein 1 RM testen, das wäre auch nicht gut für dich. Das Gewicht muss einfach so gewählt sein, dass du die Absenkphase sauber kontrollieren kannst, ohne Schwung zu holen.
-
Satz- und Wiederholungsstruktur: 3–4 Sätze mit je 6–8 Wiederholungen sind für den Start ideal. Halte zwischen den Sätzen 2-3 Minuten Pause, um deine Leistung aufrechtzuerhalten.
So könnte ein Plan mit exzentrischem Training aussehen
Nehmen wir an, du möchtest exzentrisches Training nutzen, um deine Kraftplateaus zu überwinden. Dann ist es sinnvoll, wenn du vorab einen klar strukturierten Plan verfolgst, der dir dabei hilft, diese Hürden zu überwinden.
Tatsächlich eignet sich exzentrisches Training dann perfekt, wenn du es in einen klar strukturierten Plan integrierst. Dieser kann wie folgt aussehen:
-
Vorbereitungsphase (2–4 Wochen): Baue eine stabile Grundlage mit normalen Sätzen auf. Fokussiere dich auf Technik und Stabilität.
-
Exzentrik-Block (4 Wochen): Setze deine Übungen mit Fokus auf die Exzentrik um. Dein Nervensystem adaptiert sich in dieser Phase langsam an die höhere Belastung.
-
Maximalphase (2 Wochen): Nach dem Exzentrik-Block bist du bereit für schwere Sätze. Dein ZNS ist gut aktiviert und du kannst testen, ob sich deine Kraft gesteigert hat.
-
Regeneration: Eine Woche aktive Erholung mit leichterem Gewicht, Mobility und mentalem Reset (Journaling & Meditation).
Mentale Komponente: Fokus statt Ablenkung
Jede Exzentrik-Wiederholung ist wie Meditation in Bewegung: Du atmest bewusst, spürst jeden Millimeter, kontrollierst die Absenkphase und bist voll im Hier und Jetzt. Für meine Kunden – oft gestresste Manager und Promis – ist das wie eine Mentaltechnik. Es ist kein „Ich hau mal eben 5×5 weg“, sondern „Ich führe diese Wiederholung präzise aus und sammele jeden Tropfen Fortschritt“. Qualität geht hier immer vor Quantität.
Risiken und Best Practices
Exzentrisches Training ist definitiv nichts für Einsteiger – du brauchst bereits eine solide Kraft- und Technikbasis, bevor du die langsamen Absenkphasen sauber und ohne Schwung umsetzen kannst. Deshalb gilt: Nimm dir Zeit für den Einstieg, habe stets die korrekte Ausführung im Blick und checke regelmässig deinen Fortschritt.
- Langsamer Einstieg. Beginne mit ein bis zwei gezielten Exzentrik-Wochen alle paar Monate. So gewöhnt sich dein Muskel-Sehnen-Apparat behutsam an die höhere Spannung.
- Saubere Technik. Vermeide jede Art von Abfederung oder Impuls aus den Gelenken – keinerlei Ellbogen- oder Knieschläge in der unteren Position. Die Wiederholung zählt nur dann, wenn du die Kontrolle hältst.
- Kontinuierliches Monitoring. Beobachte nicht nur dein Gewicht und Satzvolumen, sondern besonders deine Bewegungsausführung und Erschöpfungsanzeichen. Wenn die Technik leidet oder du nicht mehr konzentriert die Absenkphase steuerst, schalte einen Gang zurück und baue eine Regenerationswoche ein, bevor du erneut angreifst.
Mein Fazit
Exzentrisches Training ist natürlich kein Selbstläufer, sondern eine wertvolle Ergänzung in deinem Repertoire an Trainingstechniken für mehr Hypertrophie und Stärke. Wer nur nach oben drückt, verpasst den grössten Reiz im negativen Bewegungsbereich. Kontrolliere jede Absenkphase, halte Tempo und Technik an erster Stelle und gönn dir die nötige Erholung. Beherrscht du diese Kunst, zerreisst du jedes Plateau und katapultierst deine Kraft auf das nächste Level. Also: Schnapp dir die Hantel, stell die Stoppuhr und gib Gas. Deine neue Bestleistung wartet bereits!